Ökologischer Zustand der oberirdischen Fließgewässer

Einheit: Anteil in Prozent
Stand: 25.02.2019

Der Bewirtschaftungsplan zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sieht für alle natürlichen Fließgewässer (in NRW etwa 40% der Fließgewässer) die Erreichung des guten ökologischen Zustands und für alle erheblich veränderten und künstlichen Gewässer (etwa 60% der Fließgewässer) die Erreichung des guten ökologischen Potenzials vor. Eine Überprüfung des Bewirtschaftungsplans erfolgt alle 6 Jahre

Die Ergebnisse des ersten, auf den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie basierenden Monitorings der Gewässer wurden 2009 in Form des ersten Bewirtschaftungsplans dokumentiert. Der aktuell gültige zweite Bewirtschaftungsplan stellt die Ergebnisse der Jahre 2012 bis 2014 vor. Aufgrund des 6-jährigen Bewirtschaftungszyklus liegen noch keine ausreichenden Datengrundlagen für eine Trendanalyse vor.

  • Hintergrund / Bedeutung

    Hintergrund / Bedeutung

    Zentrales Ziel der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 ist ein „guter Zustand“ aller Flüsse und Seen sowie des Grundwassers. Für natürliche Fließgewässer ist dieses Ziel dann erreicht, wenn sowohl der ökologische als auch der chemische Zustand mit „gut“ bewertet sind. Die Ermittlung des ökologischen Zustands basiert hauptsächlich auf der Untersuchung der aquatischen Lebensgemeinschaft, ihrer Artenzusammensetzung und der Häufigkeit der Arten. Der chemische Zustand bemisst sich an der Belastung mit ökologisch bedenklichen und gesundheitsschädlichen Stoffen.

    Anders als für die natürlichen Fließgewässer ist für erheblich veränderte und künstliche Gewässer der „gute ökologische Zustand“ nicht mehr erreichbar. Das sind z.B. Kanäle oder aber Fließgewässer, deren Gewässerstruktur etwa durch Staustufen oder Kanalisierung stark verändert ist. In Nordrhein-Westfalen sind etwa 60% aller Gewässer stark verändert oder künstlich. Für diese Gewässer gilt das „gute ökologische Potenzial“ als Ziel. Dieses orientiert sich ebenfalls an der Besiedlung durch typische Organismen und an einem guten chemischen Zustand.

  • Ziele

    Ziele

    Der Bewirtschaftungsplan zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sieht für alle natürlichen Fließgewässer (in NRW etwa 40 % der Fließgewässer) die Erreichung des guten ökologischen Zustands und für alle erheblich veränderten und künstlichen Gewässer (etwa 60 % der Fließgewässer) die Erreichung des guten ökologischen Potenzials vor. Eine Überprüfung des Bewirtschaftungsplans erfolgt alle 6 Jahre.

  • Trendanalyse

    Die Ergebnisse des ersten, auf den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie basierenden Monitorings der Gewässer wurden 2009 in Form des ersten Bewirtschaftungsplans dokumentiert. Der aktuell gültige zweite Bewirtschaftungsplan stellt die Ergebnisse der Jahre 2012 bis 2014 vor. Aufgrund des 6-jährigen Bewirtschaftungszyklus liegen noch keine ausreichenden Datengrundlagen für eine Trendanalyse vor.

    Gemäß den Angaben im zweiten Bewirtschaftungsplan von 2015 befinden sich nur knapp 8% der insgesamt untersuchten 13.800 Gewässerkilometer in einem „guten ökologischen Zustand“. Maßgeblich hierfür sind vor allem die schlechten Gewässerstrukturen. Sie verhindern vielerorts, dass gewässertypische Tiere und Pflanzen ihre angestammten Lebensräume durchgängig besiedeln können. Um für alle natürlichen Fließgewässer den „guten ökologischen Zustand“ bis zum Jahr 2027 erreichen zu können, sind die Maßnahmen erheblich zu verstärken.

    Betrachtet man dahingegen nur die Gewässergüte, so lässt sich seit 1990 durchaus eine Verbesserung erkennen: Von 1990 bis 2004 hat sich der Anteil der Fließstrecke mit der Güteklasse II „mäßig belastet“ und Güteklasse I „unbelastet“ von 34% auf 67% in etwa verdoppelt.

  • Definition

    Definition

    Der Indikator gibt an, welcher Anteil der natürlichen Fließgewässer in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand ist bzw. welcher Anteil der erheblich veränderten oder künstlichen Gewässer in einem guten oder sehr guten ökologischen Potenzial sind.

  • Datenquellen

    Datenquellen, Berechnung und Einheit

    Die Bewertung des ökologischen Zustands nach den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie basiert auf der Untersuchung der aquatischen Lebensgemeinschaft. Hierzu zählen das Makrozoobenthos (Kleinlebewesen wie z.B. Insektenlarven, Krebse und Egel), Fische, Wasserpflanzen und Algen. Das Vorkommen bestimmter Arten lässt auf den Grad der Belastung des Gewässers durch verschiedenste Störgrößen schließen. Beispiele für solche Störgrößen sind abbaubare organische Stoffe, Pflanzennährstoffe, toxische Stoffe, aber auch strukturelle und hydromorphologische Defizite. Auf Grundlage dieser Untersuchungen werden den Gewässerabschnitten ökologische Zustandsklassen von 1 „sehr gut“ bis 5 „schlecht“ zugeordnet. Zur Bewertung des Istzustands wird der Grad der Abweichung von einem gewässertypspezifischen Referenzzustand, der der Bewertung „sehr gut“ entspricht, herangezogen.

    Für die Berechnung des Indikators werden nur die Flüsse in NRW betrachtet, deren Einzugsgebiet größer als 400 km2 ist (insgesamt 2453 Gewässerkilometer). Der Indikator gibt den prozentualen Anteil der Fließstrecke dieser Gewässer an, der den ökologischen Zustandsklassen „gut“ oder „sehr gut“ zugeordnet ist.

Indikatoren zu Abfall, Boden und Wasser

Anteil in Prozent Anteil natürlicher
Wasserkörper
Anteil künstlicher
oder veränderter
Wasserkörper
Natürliche Wasserkörper
sehr guter oder
guter Zustand
Natürliche Wasserkörper
mäßiger unbefriedigender
oder schlechter Zustand
Künstliche oder
veränderte Wasserkörper
mäßiges unbefriedigendes
oder schlechtes Potential
Künstliche oder
veränderte Wasserkörper
sehr gutes oder
gutes Potential
Anteil natürlicher / künstlicher Wasserkörper 44,0 56,0  
Zustand oberirdischer Fließgewässer 6,4 38,0 55,0 1,0