Ökologischer Zustand der oberirdischen Fließgewässer

Einheit: Anteil in Prozent
Stand: 20.01.2021

Gemäß der Datenbasis für den dritten Bewirtschaftungsplan befinden sich knapp über 10 % der insgesamt untersuchten Oberflächenwasserkörper (insgesamt 13.750 Gewässerkilometer) in einem "guten ökologischen Zustand" oder einem „guten ökologischen Potenzial“.

  • Hintergrund / Bedeutung

    Hintergrund / Bedeutung

    Zentrales Ziel der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 ist ein „guter Zustand“ aller Flüsse und Seen sowie des Grundwassers. Für natürliche Fließgewässer ist dieses Ziel dann erreicht, wenn sowohl der ökologische als auch der chemische Zustand mit „gut“ bewertet sind. Die Ermittlung des ökologischen Zustands basiert hauptsächlich auf der Untersuchung der aquatischen Lebensgemeinschaft, ihrer Artenzusammensetzung und der Häufigkeit der Arten. Der chemische Zustand bemisst sich an der Belastung mit ökologisch bedenklichen und gesundheitsschädlichen Stoffen.

    Anders als für die natürlichen Fließgewässer ist für erheblich veränderte und künstliche Gewässer der „gute ökologische Zustand“ nicht mehr erreichbar. Das sind z.B. Kanäle oder aber Fließgewässer, deren Gewässerstruktur etwa durch Staustufen oder Kanalisierung stark verändert ist. In Nordrhein-Westfalen sind etwa 60% aller Gewässer stark verändert oder künstlich. Für diese Gewässer gilt das „gute ökologische Potenzial“ als Ziel. Dieses orientiert sich ebenfalls an der Besiedlung durch typische Organismen und an einem guten chemischen Zustand.

  • Ziele

    Ziele oberirdische Fließgewässer

    Der Bewirtschaftungsplan zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sieht für alle natürlichen Fließgewässer (in NRW etwa 40% der Fließgewässer) die Erreichung des guten ökologischen Zustands und für alle erheblich veränderten und künstlichen Gewässer (etwa 60% der Fließgewässer) die Erreichung des guten ökologischen Potenzials vor. Eine Überprüfung des Bewirtschaftungsplans erfolgt alle 6 Jahre.

  • Trendanalyse

    Trend (lang)

    Gemäß der Datenbasis für den dritten Bewirtschaftungsplan befinden sich knapp über 10% der insgesamt untersuchten Oberflächenwasserkörper (insgesamt 13.750 Gewässerkilometer) in einem "guten ökologischen Zustand" oder einem „guten ökologischen Potenzial“. Maßgeblich hierfür sind vor allem die schlechten Gewässerstrukturen. Sie verhindern vielerorts, dass gewässertypische Tiere und Pflanzen ihre angestammten Lebensräume durchgängig besiedeln können. Um für alle natürlichen Fließgewässer den "guten ökologischen Zustand" oder das „gute ökologische Potenzial“ erreichen zu können, besteht noch ein großer Handlungsbedarf.

  • Definition

    Definition

    Der Indikator gibt an, welcher Anteil der natürlichen Fließgewässer in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand ist bzw. welcher Anteil der erheblich veränderten oder künstlichen Gewässer in einem guten oder sehr guten ökologischen Potenzial sind. Bezugsgröße ist die Zahl der Wasserkörper.

  • Datenquellen

    Datenquellen, Berechnung und Einheit

    Die Bewertung des ökologischen Zustands nach den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie basiert auf der Untersuchung der aquatischen Lebensgemeinschaft. Hierzu zählen das Makrozoobenthos (Kleinlebewesen wie z.B. Insektenlarven, Krebse und Egel), Fische, Wasserpflanzen und Algen. Das Vorkommen bestimmter Arten lässt auf den Grad der Belastung des Gewässers durch verschiedenste Störgrößen schließen. Beispiele für solche Störgrößen sind abbaubare organische Stoffe, Pflanzennährstoffe, toxische Stoffe, aber auch strukturelle und hydromorphologische Defizite. Auf Grundlage dieser Untersuchungen werden den Gewässerabschnitten ökologische Zustandsklassen von 1 „sehr gut“ bis 5 „schlecht“ zugeordnet. Zur Bewertung des Istzustands wird der Grad der Abweichung von einem gewässertypspezifischen Referenzzustand, der der Bewertung „sehr gut“ entspricht, herangezogen.

    Für die Berechnung des Indikators werden alle Bäche und Flüsse in NW betrachtet, deren Einzugsgebiet größer als 10 km2 ist. Der Indikator gibt den prozentualen Anteil der Oberflächenwasserkörper dieser Gewässer an, der den ökologischen Zustandsklassen „gut“ oder „sehr gut“ zugeordnet ist.

    Die Ergebnisse des auf den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie basierenden Monitorings der Gewässer werden in Form der Bewirtschaftungspläne dokumentiert. Der aktuell gültige zweite Bewirtschaftungsplan stellt die Ergebnisse der Jahre 2012 bis 2014 vor. Der derzeit in Bearbeitung befindliche dritte Bewirtschaftungsplan wird die Daten der Jahre 2015-2018 beinhalten.

Indikatoren zu Abfall, Boden und Wasser

Datentabelle Fliessgewässerzustand

  2012-2014 2015-2018
Künstliche oder veränderte
Wasserkörper, mäßiges,
unbefriedigendes oder
schlechtes Potential
54,6 53,9
Künstliche oder veränderte
Wasserkörper, sehr gutes
oder gutes Potential
0,6 1,6
Natürliche Wasserkörper,
sehr guter oder
guter Zustand
8,8 8,8
Natürliche Wasserkörper,
mäßiger, unbefriedigender
oder schlechter Zustand
35,9 35,7