Flächenverbrauch

Einheit: Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen (Hektar pro Tag) und Siedlungsfläche pro Einwohner (Quadratmeter Siedlungsfläche pro Einwohner)
Stand: 17.03.2021

Ziel der Landesregierung ist ein angemessener Beitrag aus Nordrhein-Westfalen zur Erreichung des Bundesziels einer Senkung der neuen Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr auf unter 30 ha/Tag bis 2030.

Von 1996 bis 2015 war ein tendenzieller Rückgang des Flächenverbrauchs in NRW erkennbar, welcher vor allem auf eine geringere Zunahme an Siedlungsfläche zurückzuführen war. Dabei betrug die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in den Jahren 2006 bis 2015 in NRW durchschnittlich 11,2 ha/Tag.

Die Siedlungsfläche bezifferte sich für das Jahr 2019 auf rund 306 Quadratmeter pro Kopf. Sie setzt sich unter anderem aus Wohnbau-, Industrie- und Gewerbe- sowie Sportflächen zusammen.

  • Hintergrund / Bedeutung

    Hintergrund / Bedeutung

    Die Zunahme von Siedlungs- und Verkehrsflächen (Flächenverbrauch) in Nordrhein-Westfalen spiegelt den Verlust an Freiraum und Boden wider. Die ökologischen und ökonomischen Folgen des Freiflächenverbrauchs sowie der Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrsinfrastruktur sind vielfältig: So werden beispielsweise wertvolle Anbauflächen für die Erzeugung von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffe überbaut. Zudem führt der Flächenverbrauch zu einem zunehmenden Verlust oder einer erheblichen Verschlechterung der Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten. Auch das für viele Menschen wichtige Landschaftsbild einer Region wird oft beeinträchtigt.

    „Siedlungs- und Verkehrsfläche“ und „versiegelte Fläche“ können nicht gleichgesetzt werden, da in die Siedlungs- und Verkehrsfläche auch unbebaute und nicht versiegelte Flächen eingehen. Vielmehr liegt die tatsächlich versiegelte Fläche in Nordrhein-Westfalen bei etwa der Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsflächen. Nichtsdestotrotz steigen mit dem Flächenverbrauch auch der Versiegelungsgrad und somit die dauerhafte Zerstörung der natürlichen Bodenfunktionen an. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Versiegelung stehen nachteilige Auswirkungen auf Oberflächen- und Grundwasser sowie eine zunehmende Hochwassergefahr.

    Eine erfolgreiche Flächen- und Siedlungspolitik muss verschiedene Interessen ausgleichen und auf einer breiten Informationsgrundlage stehen. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2006 in Nordrhein-Westfalen die „Allianz für die Fläche“ gegründet, in der Fachleute unterschiedlicher Disziplinen aus Verwaltung, Kommunen, Kammern, Verbänden und der Wirtschaft Konzepte für eine sparsame und zukunftsgerechte Nutzung von Fläche und Boden erarbeiten.

  • Ziele

    Ziele

    Ziel der Bundesregierung ist es, den Flächenverbrauch bundesweit auf weniger als 30 ha/Tag bis zum Jahr 2030 zu reduzieren (Nationale Nachhaltigkeitsstrategie, Neuauflage 2016).

    Ziel der Landesregierung ist ein angemessener Beitrag aus Nordrhein-Westfalen zur Erreichung des Bundesziels einer Senkung der neuen Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr auf unter 30 ha/Tag bis 2030. Dieses Ziel ist in der Nachhaltigkeitsstrategie NRW festgeschrieben.

  • Trendanalyse Siedlungs- und Verkehrsflächen

    Trend (lang) Siedlungs- Und Verkehrsflächen

    Von 1996 bis 2015 war ein tendenzieller Rückgang des Flächenverbrauchs in NRW erkennbar, welcher vor allem auf eine geringere Zunahme an Siedlungsfläche zurückzuführen war. Dabei betrug die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in den Jahren 2006 bis 2015 in NRW durchschnittlich 11,2 ha/Tag.

    Durch die Umstellung vom Automatisierten Liegenschaftsbuch ALB auf das Amtliche Liegenschaftskatatsterinformationssystem ALKIS kann für 2016 nur ein auf ALB rückmigrierter Wert abgebildet werden. In den Jahren 2017 bis 2019 lag der Flächenverbrauch zwischen 5,2 und 8,1 ha/Tag.  Die Werte nach der Umstellung sind methodisch bedingt nicht mit den Werten vor der Umstellung vergleichbar. Ein Trend lässt sich aus den nach ALKIS erhobenen Daten noch nicht berechnen.

  • Trendanalyse Siedlungsfläche pro EW

    Trend (lang) Siedlungsfläche pro EW

    Die Siedlungsfläche bezifferte sich für das Jahr 2019 auf rund 306 Quadratmeter pro Kopf. Sie setzt sich unter anderem aus Wohnbau-, Industrie- und Gewerbe- sowie Sportflächen zusammen. Da im Jahr 2016 die Vermessungsverwaltungen die Datenerfassung von ALB auf ALKIS umgestellt haben und die Vergleichbarkeit nicht mehr gegeben ist, kann keine Trendanalyse über die letzten 10 Jahre durchgeführt werden. Gleichwohl ist ein Rückgang der Siedlungsfläche pro Einwohner in absehbarer Zeit nicht zu erwarten

    Die Entwicklungen legen Rückschlüsse auf zwei unterschiedliche Prozesse nahe:

    • Bei schrumpfenden Einwohnerzahlen nimmt die Siedlungsfläche pro Einwohner zu bzw. die Siedlungsdichte ab. In Regionen mit schrumpfenden Einwohnerzahlen gibt es ein großes Potenzial für eine nachhaltige Innenverdichtung der bestehenden Siedlungs- und Verkehrsflächen und nur noch eine geringe Inanspruchnahme neuer Flächen. Eine solche Innenentwicklung kann einerseits innerstädtische Gebiete und Brachflächen aufwerten und andererseits durch eine geringere Inanspruchnahme neuer Flächen positive Effekte für die Landwirtschaft sowie den Umwelt- und Naturschutz mit sich bringen.
    • In Regionen mit steigenden oder stagnierenden Einwohnerzahlen ist die Zunahme der Siedlungsfläche pro Einwohner eher Ausdruck des aktuellen Lebensstils vieler Menschen. Deutschlandweit ist die Wohnfläche pro Einwohner zum Beispiel zwischen 2011 und 2018 von 46,1 m2 auf 46,7 m2 gestiegen.
  • Definition

    Definition

    Der Indikator zum Flächenverbrauch setzt sich aus zwei Teilindikatoren zusammen:

    1. „Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen“: Dieser Teilindikator gibt die durchschnittliche tägliche Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen in NRW an.
    2. „Siedlungsfläche pro Einwohner“: Dieser Teilindikator gibt an, wie viel Siedlungsfläche je Einwohner in NRW jährlich in Anspruch genommen wird.
  • Datenquellen

    Datenquellen, Berechnung und Einheit

    Auf der Grundlage des Agrarstatistikgesetzes erfassen die Katasterämter der Kreise und kreisfreien Städte jährlich zum Stichtag 31.12. die tatsächliche Flächennutzung. Bis 2015 setzte sich die Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) aus den folgenden Flächenkategorien aus den ALB zusammen: Gebäude- und Freifläche, Betriebsfläche (ohne Abbauland), Erholungsfläche incl. Grünanlagen, Verkehrsfläche, Fläche für Friedhöfe. Ab 2016 setzt sich die SuV aus den folgenden Nutzungsarten aus dem ALKIS zusammen: Summe der Nutzungsarten Siedlung und Verkehr, abzüglich Bergbaubetrieb und Tagebau, Grube, Steinbruch. Die Daten werden jährlich von IT.NRW bereitgestellt.

    Auch für die Einwohnerzahl werden die Angaben von IT.NRW zugrunde gelegt. Für die Berechnung der Siedlungsfläche pro Einwohner werden die Angaben zum Bevölkerungsstand aus der „Bevölkerungsfortschreibung VZ 87 und früher“ verwendet. Die Siedlungsfläche pro Einwohner wird aus dem Verhältnis der Siedlungsfläche zur Einwohnerzahl berechnet und in m2 pro Einwohner und Jahr angegeben.

Indikatoren zu Abfall, Boden und Wasser

Datentabelle Flächenverbrauch

Hektar pro Tag 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 *) 2017 *) 2018 2019
Siedlungs- und Verkehrsfläche
(nach ALB)
13,3 16,0 15,2 19,3 15,3 16,3 16 8,9 19,7 13,3 14,4 14,1 15 9,1 11,5 10 10,4 9,3 9,0 9,3 10,1 11,8 0  
Siedlungs- und Verkehrsfläche
(nach ALKIS)
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 6,3 5,2 8,1

Datentabelle Siedlungsfläche pro Einwohner

Quadratmeter Siedlungsfläche pro Kopf 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Siedlungsfläche
(nach ALB)
262 265 268 271 273 276 278 279 283 285 288 291 294 297 299 301 302 303 303 301        
Siedlungsfläche
(nach ALKIS)
                                  302 303 304 306