Lärmbelastung

Einheit: Anzahl Betroffene
Stand: 21.02.2020

Die EU-Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm hat die Entwicklung einer gemeinsamen gesamteuropäischen Strategie zur Verhinderung oder Minderung von Umgebungslärm zum Ziel.

Die Ergebnisse zeigen, dass etwa 8% der Menschen bzw. rund 1,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Nordrhein-Westfalens nachts durch Schallpegel von über 55 dB(A) betroffen sind. 75% der Betroffenen leben in Ballungsräumen.

Die Ergebnisse der Lärmkartierung in Nordrhein-Westfalen für den 24-Stunden-Tag machen deutlich, dass fast 6% der Menschen in Nordrhein-Westfalen Schallpegeln von über 65 dB(A) ausgesetzt sind, 79% der rund eine Million betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner leben in Ballungsräumen.

  • Hintergrund / Bedeutung

    Hintergrund / Bedeutung

    Die Umweltindikatoren zur Lärmbelastung basieren auf der Umsetzung der EU-Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm (EU-Umgebungslärmrichtlinie). Mit der EU-Umgebungslärmrichtlinie soll eine gemeinsame gesamteuropäische Strategie entwickelt werden, um die schädlichen Auswirkungen von Umgebungslärm zu verhindern oder sie zumindest zu vermindern. Unter Umgebungslärm werden belästigende oder gesundheitsschädliche Geräusche im Freien verstanden, die durch Aktivitäten von Menschen hervorgerufen werden. Die EU-Umgebungslärmrichtlinie zählt darunter Lärm, der durch Straßenverkehr, Schienenverkehr und Flugverkehr verursacht wird, sowie Lärm, der von Industrie- und Gewerbeanlagen ausgeht.

    Das Gehör vergisst besonders laute Geräuscherlebnisse (Schallereignisse wie zu laute Musik in Diskotheken oder im Bereich des Arbeitsschutzes laute Maschinen) nicht und summiert sie über viele Jahre. Daher treten Hörschäden oft erst Jahre nach den ursprünglichen Lärmerfahrungen auf. Auch geringere Geräuschpegel (Verkehrsgeräusche) können auf Dauer zu Schlafstörungen führen und Stress auslösen und daher auch zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems beitragen. Nach den Ergebnissen einer im Jahr 2018 vom Umweltbundesamt (UBA) durchgeführten repräsentativen Bevölkerungsumfrage zum Umweltbewusstsein in Deutschland fühlen sich 75% der Befragten durch Straßenverkehrslärm gestört oder belästigt, 21% stark. Beim Flugverkehr sind es 42%, beim Schienenverkehr 35% und Industrie und Gewerbelärm stört 42% in unterschiedlichem Maße.

    Mit der Umsetzung der EU-Umgebungslärmrichtlinie ergeben sich folgende Maßnahmen:

    • Als erstes die Ermittlung der Belastung durch Umgebungslärm anhand von Lärmkarten und Betroffenenstatistiken, welche die Grundlage der Indikatoren bilden. Lärmkarten sind für alle Hauptverkehrsstraßen >3 Mio. Kfz/Jahr, Haupteisenbahnstrecken >30.000 Zugbewegungen/Jahr, Großflughäfen >50.000 Flugbewegungen/Jahr und für Ballungsräume >100.000 Einwohner zu erstellen. In Ballungsräumen sind zusätzlich noch sonstiger lärmrelevanter Straßenverkehr, Schienenverkehr (z.B. Straßenbahnen), Flugverkehr und Industrie- und Gewerbeanlagen zu kartieren
    • Als nächster Schritt soll die Öffentlichkeit über die Auswirkungen des Umgebungslärms bzw. über die Lärmkartierungsergebnisse informiert werden (siehe https://www.umgebungslaerm-kartierung.nrw.de/)
    • Als wohl wichtigste Maßnahme sollen aus den Lärmkartierungsergebnissen Lärmaktionspläne mit Lärmminderungsmaßnahmen und der Schutz ruhiger Gebiete, unter Mitwirkung der Öffentlichkeit, abgeleitet werden
    • Die Lärmkarten und Lärmaktionspläne sind spätestens alle 5 Jahre zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten oder neu zu erstellen

    Zuständig für die Lärmkartierung und Lärmaktionsplanung sind die Kommunen mit Ausnahme der Schienenwege des Bundes, hier ist das Eisenbahn-Bundesamt zuständig. Als Hilfestellung für die Kommunen, übernimmt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) die Lärmkartierung außerhalb der Ballungsräume für die kleineren und mittleren Kommunen <100.000 Einwohner. Hierfür betreibt in Nordrhein-Westfalen das LANUV eine umfangreiche Lärmdatenbank, auf deren Basis die Lärmkarten ausgearbeitet werden. Die Lärmkarten und die Betroffenenanalysen werden getrennt für die einzelnen Hauptlärmquellen erstellt und den Kommunen übergeben. Diese müssen für Gebiete, in denen hohe Belastungen auftreten, Lärmaktionspläne zur Verringerung der Lärmauswirkungen ausarbeiten und entsprechende Lärmminderungsmaßnahmen planen und umsetzen.

    Bei den Berechnungen zur Lärmkartierung werden zwei Kenngrößen, sogenannte Lärmindices, ermittelt: Der Nacht-Index LNight kennzeichnet Lärmbelastungen bzw. Lärmpegel für die Nacht von 22 bis 6 Uhr. Mit Hilfe des LNight können Aussagen zu Schlafstörungen gemacht werden. Der Tag-Abend-Nacht-Index LDEN wird über einen 24-Stunden-Zeitraum ermittelt. Definition und weitere Erläuterungen zu den Lärmindices, die hier als Umweltindikatoren dienen, sind im weiteren Verlauf des Textes zu finden. Das UBA empfiehlt, für Gebiete mit Werten von LDEN > 65 dB(A) bzw. LNight > 55 dB(A) Lärmaktionspläne aufzustellen, da hier bereits ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Herzkreislauferkrankungen besteht.

  • Ziele

    Ziele

    Die EU-Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm hat die Entwicklung einer gemeinsamen gesamteuropäischen Strategie zur Verhinderung oder Minderung von Umgebungslärm zum Ziel.

  • Trendanalyse Lnight

    Die Ergebnisse zeigen, dass etwa 8% der Menschen bzw. rund 1,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Nordrhein-Westfalens nachts durch Schallpegel von über 55 dB(A) betroffen sind. 75% der Betroffenen leben in Ballungsräumen.

    Das Land Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland mit einer hohen Einwohnerdichte und einer Konzentration in verschiedenen Ballungszentren. Damit geht auch ein sehr dichtes Verkehrsnetz mit hoher Verkehrsbelastung einher. Dadurch ist es nicht verwunderlich, dass in Nordrhein-Westfalen, im Vergleich zu den anderen Bundesländern, die höchste absolute Anzahl von Lärm betroffenen Personen zu verzeichnen ist. Auch im Vergleich der Lärm betroffenen Personen relativ zur Einwohnerzahl liegt Nordrhein-Westfalen an der Spitze der Lärmbetroffenheit der Flächenländer (abgesehen von Berlin, Hamburg, Bremen) in Deutschland.

    Aus den beiden Teilindikatoren geht auch hervor, dass der Straßenverkehrslärm mit Abstand das größte Lärmproblem darstellt. Nicht unwesentlich sind auch die Lärmprobleme durch den Bahnverkehr, die aber nur entlang der Bahntrassen selbst auftreten und daher nicht flächendeckend wirken. Der Fluglärm hingegen wirkt nur regional im Nahbereich der beiden Großflughäfen und der anderen kleineren Flughäfen in den Ballungsräumen. Der Industrie- und Gewerbelärm ist fast vernachlässigbar.

  • Trendanalyse Lden

    Die Ergebnisse der Lärmkartierung in Nordrhein-Westfalen für den 24-Stunden-Tag machen deutlich, dass fast 6% der Menschen in Nordrhein-Westfalen Schallpegeln von über 65 dB(A) ausgesetzt sind, 79% der rund eine Million betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner leben in Ballungsräumen.

  • Definition

    Definition

    Der Indikator zur Lärmbelastung setzt sich aus zwei Teilindikatoren zusammen:

    1. „LDEN“: Der Indikator gibt die Anzahl der Menschen an, die während eines Tages (24 Stunden) von einem Schallpegel von über 65 dB(A) belastet werden. Dabei wird differenziert, ob die Menschen in Ballungsräumen leben und um welche Schallquellen es sich handelt.
    2. „LNight“: Der Indikator gibt die Anzahl der Menschen an, die über eine achtstündige Nachtzeit von einem Schallpegel von über 55 dB(A) belastet werden. Dabei wird differenziert, ob die Menschen in Ballungsräumen leben und um welche Schallquellen es sich handelt.
  • Datenquellen

    Datenquellen, Berechnung und Einheit

    • Teilindikator 1: LDEN wird angegeben als über alle Tage des Jahres gemittelter Dauerschallpegel. Um der stärkeren Wirkung von Lärm in den Abend- und Nachtstunden Rechnung zu tragen, gehen die Pegel für LEvening (18-22 Uhr) mit +5 dB(A) und für LNight (22-6 Uhr) mit +10 dB(A) in die Berechnung ein. Der Indikator gibt an, wie viele Menschen von einem Lärmindex LDEN >65 dB(A) betroffen sind.
    • Teilindikator 2: LNight wird angegeben als über alle achtstündigen Nachtzeiten des Jahres gemittelter Dauerschallpegel. Der Indikator gibt an, wie viele Menschen von einem LNight >55 dB(A) betroffen sind.

    Die zugrundeliegenden Lärmpegel der Lärmindices wurden auf Grundlage eines akustischen Modells mit entsprechenden Emissionsdaten (z.B. Straße: Verkehrsmenge, LKW-Anteil, Geschwindigkeit, Straßenbelag, etc.), Daten die den Ausbreitungsweg beschreiben (z.B. Lärmschutzbauwerke) und Daten die den Immissionsort beschreiben (Gebäude und gebäudegenaue Einwohnerzahlen) berechnet, es erfolgten keine Messungen. Bei beiden Teilindikatoren werden die Lärmquellen Straßen, Bundesschienenwege, sonstige Schienenwege, Flugverkehr sowie Industrie und Gewerbe getrennt voneinander betrachtet.

Indikatoren zu Umwelt und Gesundheit

Datentabelle Lnight

Anzahl Betroffene Straße Bundesschienenwege Sonstige Schienenwege Fluglärm Industrie
Ballungsräume 722200 272900 87400 5600 1700
nicht Ballungsräume 159400 194800 2400 7600 0

Datentabelle Lden

Anzahl Betroffene Straße Bundesschienenwege Sonstige Schienenwege Fluglärm Industrie
Ballungsräume 646200 128500 62300 1800 600
nicht Ballungsräume 131300 87300 1600 2200 0