Artenvielfalt und Landschaftsqualität

Einheit: Grad der Zielerreichung in Prozent
Stand: 20.01.2021

Der Indikator zeigt anhand von charakteristischen Vogelarten die Qualität der Landschaft als Lebensraum für eine vielfältige Gemeinschaft von Arten an. Die Landesregierung verfolgt das Ziel, durch Programme und Maßnahmen negative Bestandsentwicklungen von Arten zu stoppen bzw. umzukehren. Werden geeignete Maßnahmen in ausreichendem Umfang umgesetzt, reagiert der Indikator positiv.

Der Gesamtindikator für die Artenvielfalt und Landschaftsqualität weist 2019 einen Zielerreichungsgrad von 72% auf.

Der Indikator ist damit noch weit vom Zielwert entfernt, jedoch bei einem positiven Trend hin zum Zielwert.

  • Hintergrund / Bedeutung

    Hintergrund / Bedeutung

    Der Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ ist auf der Basis der Bestandsentwicklung charakteristischer Brutvogelarten entwickelt worden um den Zustand von Natur und Landschaft unter dem Einfluss von Nutzungen zu erfassen, zu bewerten und in Zeitreihen zu dokumentieren. Vögel eignen sich gut als Indikatoren, weil sie auf Veränderungen der Landschaftsqualität empfindlich reagieren. Verbessert sich die Lebensraumqualität, nehmen lebensraumtypische Arten zu bzw. zeigen im umgekehrten Fall Bestandsabnahmen. Da sich die Verbesserung der Lebensräume auch auf andere Tier- und Pflanzenarten positiv auswirken kann, sind die Bestandstrends der Indikatorarten repräsentativ für die gesamte Artengemeinschaft. Es wurden solche Vogelarten für den Indikator ausgewählt, die auf Veränderungen von Flächennutzungen sensibel reagieren und daher Aussagen zur Nachhaltigkeit dieser Nutzungen zulassen.

  • Ziele

    Ziele

    Die Indikator-Vogelarten zeigen die Qualität der verschiedenen darin zusammengefassten Biotoptypen wie auch die Qualität der Landschaft ganzheitlich als Lebensraum an. Steigen oder sinken die Bestandszahlen dieser Arten, deren Entwicklung vorwiegend nicht durch Artenschutzmaßnahmen beeinflusst wird, so ist dies in der Regel auf die Veränderung der Qualität der Lebensräume, im positiven Fall die Folge umgesetzter Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen bzw. eine Verringerung von Belastungen zurückzuführen. Der Indikator spiegelt diese Entwicklungen wider. Somit übernimmt er eine zentrale Funktion als wichtiger Naturschutzindikator und dient der Erfolgskontrolle der Entwicklung der Biodiversität in NRW.

    Die Landesregierung verfolgt das Ziel, durch geeignete Programme und Maßnahmen negative Bestandsentwicklungen von Arten, z.B. aktuell im Bereich des Agrarlandes, zu stoppen bzw. umzukehren. Werden geeignete Maßnahmen in ausreichendem Umfang umgesetzt, reagiert der Indikator positiv.

  • Trendanalyse

    Trend (lang)

    Der Gesamtindikator weist 2019 einen Zielerreichungsgrad von 72% auf und ist damit noch weit vom Zielwert entfernt, jedoch bei einem positiven Trend hin zum Zielwert.

    Der Teilindikator Agrarland ist mit einem Zielerreichungsgrad von 65% ebenfalls noch weit vom Zielwert entfernt, bei einem negativen Trend weg vom Zielwert.

    Der Teilindikator Wald zeigt bei einem positiven Trend einen Zielerreichungsgrad von 81% und liegt damit erstmals in der Nähe des Zielbereiches.

    Der Teilindikator Siedlungen ist mit einen Zielerreichungsgrad von 76% noch weit vom Zielwert entfernt, jedoch bei einem positiven Trend hin zum Zielwert.

    Der Teilindikator Gewässer liegt mit einen Zielerreichungsgrad von 66% noch weit vom Zielwert entfernt, bei einem negativen Trend weg vom Zielwert.

  • Definition

    Definition

    Für jeden der Hauptlebensraumtypen „Wälder“, „Agrarland“, „Siedlungen“ und „Gewässer“ wurde ein Teilindikator gebildet (gewichtetes arithmetisches Mittel der Indices der einbezogenen Arten). Die aktuellen Bestandsgrößen der Indikator-Vogelarten werden dabei ins Verhältnis gesetzt zu einem Zielwert für das Jahr 2030. Der Gesamtindikator setzt sich entsprechend der Anteile an der Landesfläche aus den Teilindikatoren zusammen.

    Folgende bundesweite Festlegungen wurden landesweit umgesetzt:

    • Der Indikator wird auf der Basis von vier Teilindikatoren für die in NRW vorkommenden Hauptlebensraumtypen Agrarland, Wald,Siedlung und Gewässer berechnet.
    • Die Teilindikatoren gehen gewichtet nach ihrem Flächenanteil in den Gesamtindikator ein.
    • Für die Berechnung des Indikators werden „sensibel reagierende“ Vogelarten ausgewählt.
    • Die bundesweit für jeden Hauptlebensraumtyp vorgeschlagenen fünf Kernarten, die auch im bundesweiten Indikator enthalten sind, wurden immer dann in den Indikator aufgenommen, wenn diese in NRW regelmäßig verbreitet sind.
    • Die Artenauswahl wird durch weitere landesspezifisch geeignete Arten ergänzt.

    Des Weiteren wurden zur Bestimmung der Indikatorarten für NRW folgende landesweiten Grundsätze festgelegt:

    • Die Vogelarten müssen eindeutig einem Hauptlebensraumtyp zuzuordnen sein (ggfs. einem Hauptlebensraumtyp als Bruthabitat und einem zweiten als Nahrungshabitat während der Brutzeit wie z.B. bei der Schleiereule: Siedlung und Extensivgrünland des Agrarlandes). Arten mit mehreren Hauptlebensraumtypen sind als Indikatorarten ungeeignet (z.B. Amsel).
    • Die Vogelarten sollen Repräsentanten der Normallandschaft, also allgemein verbreitet sein bzw. häufig vorkommen und nicht ausschließlich auf Schutzgebiete beschränkt sein (z.B. Bekassine).
    • Charakterarten von Sonderstandorten wie Heideflächen oder Weihnachtsbaumkulturen entfallen (z.B. Heidelerche).
    • Die Vogelarten müssen einerseits auf Naturschutzmaßnahmen sensibel positiv, andererseits bei gegenläufigen Entwicklungen negativ reagieren, wobei Vogelarten mit gegensätzlichen Reaktionen ausscheiden (z.B. Tannenmeise mit Bestandsabnahme bei Erhöhung des Laubholzanteils).
    • Neozoa werden grundsätzlich nicht berücksichtigt (z.B. Nilgans).
    • Die für jeden Teilindikator vorgegebenen 5 Kernarten werden um mindestens 5 weitere landesspezifische Arten aufgestockt, wobei eine Obergrenze entfällt.

    Teilindikator „Agrarland“: 14 Brutvogelarten Bluthänfling, Feldlerche, Feldsperling, Goldammer, Kiebitz, Neuntöter, Rebhuhn, Schleiereule, Star, Steinkauz, Stieglitz, Turmfalke, Turteltaube, Wiesenpieper

    Teilindikator „Wald“: 19 Brutvogelarten Baumpieper, Buntspecht, Gartenbaumläufer, Grauspecht, Hohltaube, Kernbeißer, Kleiber, Kleinspecht, Mittelspecht, Nachtigall, Pirol, Schwarzspecht, Sumpfmeise, Trauerschnäpper, Waldbaumläufer, Waldkauz, Waldlaubsänger, Waldschnepfe, Weidenmeise

    Teilindikator „Siedlung“: 16 Brutvogelarten Bachstelze, Dohle, Elster, Feldsperling, Girlitz, Grünfink, Hausrotschwanz, Haussperling, Mauersegler, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Schleiereule, Star, Stieglitz, Türkentaube, Turmfalke

    Teilindikator „Gewässer“: 12 Brutvogelarten Blässhuhn, Eisvogel, Gebirgsstelze, Graugans, Haubentaucher, Reiherente, Rohrammer, Stockente, Teichhuhn, Teichrohrsänger, Wasseramsel, Zwergtaucher

    Abweichend von den Bundes-Kernarten wird in NRW das Braunkehlchen für den Teilindikator „Agrarland“ nicht übernommen. Diese Art ist in NRW weitgehend auf Schutzgebiete beschränkt und kommt in der Normallandschaft praktisch nicht mehr vor. Zudem wird der Gartenrotschwanz nicht als Charakterart der dörflichen Siedlungen übernommen, da er in Nordrhein-Westfalen schwerpunktmäßig in Heidelandschaften und (Sand)-Kiefernwäldern vorkommt.

    Die Darstellung des Indikators erfolgt mittels Säulendiagramm, wobei jede Säule für das jeweilige Jahr den Zielerreichungsgrad in Prozent darstellt.

  • Datenquellen

    Datenquellen, Berechnung und Einheit

    Die Brutvogeldaten werden regelmäßig auf dem landesweit repräsentativen Stichprobennetz der Ökologischen Flächenstichprobe (ÖFS) erhoben. Die Erhebungen finden jährlich auf 1/6 der 191 Probeflächen statt. Ein vollständiger Durchgang ist nach 6 Jahren abgeschlossen. Die Berechnung der aggregierten Jahreswerte erfolgt unter Anwendung des „gleitenden Mittelwertes“. Das bedeutet, dass in diese Jahreswerte einfließende Daten zu je einem Sechstel im betreffenden Jahr und den 5 davorliegenden Jahren erhoben werden (6-jähriges gleitendes Mittel).

    Die Berechnung des Indikators „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ erfolgt je Teilindikator im Unterschied zum Bund wie folgt in zwei Berechnungsverfahren:

    A: Ermittlung des Indikatorwertes (Basiswert im Jahr 2006 = 100) Für jeden Teilindikator werden die mittleren landesweit ermittelten Abundanzen (Brutreviere pro 100 ha) für jede einzelne der o.g. Arten im Zeitraum 2006 bis 2014 zur Abundanz im Jahre 2006 ins Verhältnis gesetzt. Man erhält auf diese Weise für jede einzelne Art eine Zeitreihe, die im Jahr 2006 mit 100 Indexpunkten beginnt und in den Folgejahren die relative Änderung der Abundanz zum Basisjahr 2006 wiedergibt. Für die einzelnen Teilindikatoren wird jährlich ein gewichtetes arithmetisches Mittel aller relativen Änderungen aller Teilindikatorarten gebildet. Die Gewichte sind die Kehrwerte der artspezifischen Variationskoeffizienten, so dass Arten mit genaueren Schätzungen (d.h. mit geringen Variationskoeffizienten) ein höheres Gewicht erhalten. Ergebnis ist ein Indikatorwert pro Teilindikator und Jahr. Die vier Teil-Indikatorwerte werden jährlich zu einem Gesamtindikatorwert zusammengefasst, indem jeder Wert mit dem Flächenanteil gewichtetet wird, den er an der Landesfläche von NRW repräsentiert.

    B: Ermittlung des Zielwertes mit Angabe des Zielwerterreichungsgrades (Zielwert im Jahr 2030 = 100) Beim Zielwert handelt es sich um eine artspezifische Bestandsgröße, die in einem festgelegten Zieljahr (2030) voraussichtlich erreicht wird, wenn die z.B. in der Biodiversitätsstrategie des Landes enthaltenen naturschutzfachlichen Maßnahmen in ausreichendem Umfang umgesetzt werden.

    Um den Indikator in Beziehung zu einem Zielwert zu setzen, werden für die Teilindikatoren Zielwerte für das Jahr 2030 abweichend vom Bund (Delphi-Methode) wie folgt berechnet:

    1. Je Vogelart und je ÖFS-Stichprobenfläche wird das Abundanz-Maximum über die 3 bzw. 4 Wiederholungs-Aufnahmen aus den Jahren 1997 bis 2014 ermittelt
    2. Anschließende Bestandshochrechnungen mit diesen Maxima ergeben die Zielwerte der Arten für das Jahr 2030
    3. Das Verhältnis der tatsächlichen Abundanzen (gleitender Mittelwert) in den einzelnen Jahren 2006 bis 2014 zu diesen Zielwerten in Prozent ist der Zielerreichungsgrad einer Art
    4. Das gewichtete Mittel (mit den Kehrwerten der Variationskoeffizienten) über die Arten des Indikators ergibt den Zielerreichungsgrad des Indikators
    5. Analog zur Berechnung des Gesamtindikators ergibt sich der Zielwert für den Gesamtindikator durch Gewichtung der Einzelzielwerte (der Teilindikatoren) mit dem Flächenanteil, den sie an der Landesfläche von NRW repräsentieren

Indikatoren zu Natur, Ländliche Räume

Datentabelle Artenvielfalt

Grad der Zielerreichung in Prozent Insgesamt Agrarland Wälder Siedlungen Gewässer
1999 71 74 59 81 58
2000 72 74 60 81 59
2001 72 74 62 81 59
2002 72 74 63 82 59
2003 72 73 64 79 66
2004 72 74 62 78 67
2005 71 72 64 76 68
2006 70 71 65 74 69
2007 69 69 65 73 73
2008 70 70 66 73 71
2009 70 69 68 73 70
2010 70 68 69 73 75
2011 68 66 69 73 73
2012 69 66 71 73 73
2013 69 65 73 73 73
2014 69 65 74 73 73
2015 69 65 75 73 75
2016 70 65 77 74 72
2017 70 65 78 76 66
2018 71 64 79 76 66
2019 72 65 81 76 67