Naturschutzflächen

Einheit: Anteil an der Landesfläche in Prozent
Stand: 11.05.2020

Die Umsetzung des Biotopverbunds erfolgt insbesondere durch die naturschutzrechtliche Sicherung der bereits gesicherten Bereiche für den Schutz der Natur (sogenannte BSN-Flächen in den Regionalplänen, rund 15% der Landesfläche inklusive bisheriger Schutzgebiete), was weitere Naturschutzflächen erwarten lässt.

Der Trend der Naturschutzflächen ist über die letzten 10 Jahre signifikant steigend.

  • Hintergrund / Bedeutung

    Hintergrund / Bedeutung

    Die Vielfalt von Natur und Landschaft in Nordrhein-Westfalen macht differenzierte Schutzziele und Schutzmaßnahmen erforderlich. Dem Schutzgebietssystem kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Es hat zum Ziel, neben dem Schutz der naturraumtypischen Eigenart der Landschaft auch den europäischen Verpflichtungen zum Schutz derjenigen europaweit bedeutsamen Arten und Lebensräume nachzukommen, die innerhalb Nordrhein-Westfalens vorkommen und für die das Land besondere Verantwortung trägt.

    Die strengsten Schutzregelungen gelten in Deutschland in Naturschutzgebieten und Nationalparken*. Mit Hilfe dieser Schutzgebietskategorien werden Flächen langfristig für den Arten- und Biotopschutz gesichert. Zudem dienen sie als Kernflächen des landesweiten Biotopverbunds. Dieser hat zum Ziel, Populationen wildlebender Tiere und Pflanzen dauerhaft zu sichern sowie funktionsfähige ökologische Wechselbeziehungen zu bewahren, wiederherzustellen und zu entwickeln. Bundesrechtlich sind die Länder gemäß § 20 Abs. 1 BNatSchG zur Schaffung eines Biotopverbunds, der mindestens 10% der Landesfläche umfassen soll, verpflichtet. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ist das Ziel formuliert, dass Deutschland bis 2010 auf 10% der Landesfläche ein repräsentatives und funktionsfähiges System vernetzter Biotope besitzt. In Nordrhein-Westfalen ist das Ziel des Landesnaturschutzgesetzes und der Biodiversitätsstrategie NRW, den Biotopverbund auf 15% der Landesfläche festzusetzen.

    Einen deutlichen Schub erhielt das Schutzgebietssystem in Nordrhein-Westfalen durch die Umsetzung der europäischen Vogelschutzrichtlinie aus dem Jahr 1979 und der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) von 1992. Die nach europäischem Recht ausgewiesenen Vogelschutzgebiete sowie FFH-Gebiete werden im Schutzgebietssystem „Natura 2000“ zusammengefasst. Sie haben zum Ziel, die in den Richtlinien aufgeführten Arten und Lebensräume in einem günstigen Erhaltungszustand zu bewahren bzw. die Bestände von Arten und Lebensräumen langfristig zu sichern. Die Natura2000-Flächen sind in Nordrhein-Westfalen zum weitaus größten Teil als Naturschutzgebiete und nur in sehr geringem Maße als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen.

    * Strenger Schutz gilt auch für Geschützte Biotope (§ 30 BNatSchG,  § 42 LNatSchG ), die in NRW nach gesetzlicher Vorschrift systematisch in einem Kataster erfasst werden. Außerhalb bestehender Naturschutzgebiete umfassen sie gut 1% der Landesfläche. Aufgrund der fehlenden Vergleichbarkeit mit anderen Bundesländern wurden sie für diesen Indikator nicht verwendet.

  • Ziele

    Ziele

    Die Umsetzung des Biotopverbunds erfolgt insbesondere durch die naturschutzrechtliche Sicherung der bereits in den Regionalplänen als Landschaftsrahmenplan gesicherten Bereiche für den Schutz der Natur (sogenannte BSN-Flächen in den Regionalplänen, rund 15 % der Landesfläche inklusive bereits ausgewiesener Schutzgebiete), was weitere Naturschutzflächen erwarten lässt.

  • Trendanalyse

    Im Jahr 2019 nahmen die Naturschutzgebiete und der Nationalpark Eifel 8,5 % der Landesfläche in Nordrhein-Westfalen ein, was einem Zuwachs von 0,1 % gegenüber den beiden Vorjahren entspricht. Verantwortlich für diesen geringen Zuwachs ist die Ausweisung von Wildnisentwicklungsgebieten gem. § 40 LNatSchG, die bei Veröffentlichung als Naturschutzgebiete gesetzlich geschützt sind, sofern sie nicht bereits als Naturschutzgebiet oder Nationalpark förmlich unter Schutz stehen. Insgesamt sind über 3.289 Naturschutzgebiete, 517 FFH-Gebiete, 28 Vogelschutzgebiete, 56 Wildnisentwicklungsgebiete und ein Nationalpark ausgewiesen. Bei diesen Zahlen ist jedoch zu beachten, dass ein Großteil der FFH-Gebiete und der Vogelschutzgebiete als Naturschutzgebiete rechtlich gesichert werden, so dass es hier eine deutliche Überlappung der Schutzgebietskategorien gibt.

    Die deutliche Zunahme der streng geschützten Gebiete in den zurückliegenden Jahren und insbesondere seit 2004 lässt sich vor allem auf die Umsetzung der europäischen FFH-Richtlinie und die hiermit verbundene Ausweisung von FFH-Gebieten mit dem Status eines Naturschutzgebiets zurückführen. Mit dem weitgehenden Abschluss der Gebietsmeldungen von FFH-Gebieten hat sich der Trend der vergangenen Jahre mittlerweile erwartungsgemäß abgeflacht.

    In den nächsten Jahren sind die bestehenden Schutzgebiete qualitativ zu verbessern, so dass sie gemäß den Schutzzielen mit ihren naturraumtypischen Lebensräumen und Arten zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen können.

  • Definition

    Definition

    Der Indikator zeigt den prozentualen Flächenanteil der bundeseinheitlich naturschutzrechtlich streng geschützten Gebiete an der Landesfläche. Hierzu zählen in Nordrhein-Westfalen Naturschutzgebiete und Nationalparke, die vorrangig dem „Arten- und Biotopschutz“ dienen.

  • Datenquellen

    Datenquellen, Berechnung und Einheit

    In die Berechnung des Indikators werden folgende Schutzgebietsflächen einbezogen:

    • Naturschutzgebiete gemäß § 23 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG),
    • Nationalparke gemäß § 24 BNatSchG in Verbindung mit § 36 Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG NRW),
    • Biosphärenregionen gemäß § 37 Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG NRW) (in NRW zurzeit nicht ausgewiesen),
    • Wildnisentwicklungsgebiete gemäß § 40 Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG NRW).

    Wenn sich mehrere Schutzkategorien überschneiden, wird der mehrfach geschützte Flächenanteil nur einmal gezählt. Die Abgrenzungen der Naturschutzgebiete werden auf der Grundlage von topographischen Karten im Maßstab 1:5000 digital erfasst. Die Aktualisierung der Daten erfolgt kontinuierlich, die Auswertung für den Indikator jährlich.

Indikatoren zu Natur und ländlichen Räumen

Datentabelle Naturschutzflächen - lange Zeitreihe

Anteil an der Landesfläche in Prozent 1920 1921 1922 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 1936 1937 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947 1948 1949 1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Naturschutzflächen 0,00 0,01 0,15 0,15 0,15 0,15 0,15 0,15 0,15 0,15 0,23 0,23 0,24 0,24 0,24 0,24 0,31 0,33 0,36 0,38 0,43 0,48 0,51 0,52 0,52 0,52 0,52 0,52 0,52 0,54 0,55 0,56 0,57 0,61 0,62 0,64 0,67 0,69 0,69 0,70 0,71 0,73 0,74 0,75 0,76 0,77 0,77 0,78 0,84 0,86 0,89 0,90 0,90 0,90 0,92 0,93 0,94 0,94 0,96 1,04 1,07 1,41 1,53 1,69 1,74 1,86 2,02 2,17 2,45 2,71 2,88 3,22 3,47 3,70 3,87 4,03 4,16 4,44 4,56 4,71 4,88 5,10 5,44 5,70 6,51 7,03 7,34 7,54 7,56 7,73 7,85 7,90 7,90 8,00 8,04 8,10 8,30 8,40 8,40 8,46