Treibhausgasemissionen

Einheit: Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente
Stand: 20.01.2021

Ziel des Klimaschutzgesetzes von 2013 für NRW ist eine Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 25% und bis 2050 um mindestens 80% (im Vergleich zu 1990).

Die Trendanalyse der letzten 10 Jahre zeigt einen fallenden Trend in NRW.

Für das Jahr 2019 ergeben sich vorläufige Emissionen von 227,0 Mio. t CO2eq. Die Reduzierung gegenüber 1990 liegt damit bei ca. 38%. d.h. dass das durch das Klimaschutzgesetz NRW für 2020 vorgesehene Minderungsziel bereits im Jahre 2017 überschritten wurde.

  • Hintergrund / Bedeutung

    Hintergrund / Bedeutung

    Treibhausgase (THG) behindern durch ihre chemisch-physikalischen Eigenschaften die Abstrahlung von Wärme ins Weltall und tragen somit zur Erwärmung der Atmosphäre bei. Da die verstärkte Emission von Treibhausgasen im 20. und 21. Jahrhundert auf den Menschen zurückgeführt werden kann, wird hierbei auch von einem anthropogen bedingten Treibhauseffekt gesprochen. Durch diesen anthropogenen Treibhauseffekt wird der natürliche Treibhauseffekt der Erdatmosphäre verstärkt und beschleunigt. So konnten in den letzten Jahren bereits Veränderungen der Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse sowie eine zunehmende Häufigkeit von Extremereignissen festgestellt werden und auch die Dauer der Vegetationsperiode hat sich geändert. Die Ausbreitung wärmeliebender Arten aus dem mediterranen und submediterranen Raum nach Mitteleuropa in den letzten drei Jahrzehnten zeigt beispielhaft, dass Änderungen der klimatischen Verhältnisse deutliche Auswirkungen auf das komplexe Ökosystem haben können. Durch eine Zunahme der extremen Wetterereignisse wie etwa starke Gewitter, Stürme sowie Dürre- und Hitzeperioden ist jedoch auch der Mensch direkt vom Klimawandel betroffen.

    Die wichtigsten Treibhausgase sind Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) sowie eine Reihe von fluorierten und halogenierten Gasen (HFC/PFC/SF3). In der Fortführung der Treibhausgas-Berichterstattung nach dem Kyoto-Zeitraum gehört ab 2013 noch Stickstofftrifluorid (NF3) zu den zu bilanzierenden Stoffen (IPCC 2006). Dieser Stoff wird in der Elektronikindustrie (Herstellung von Flachbildschirmen, Solarindustrie) eingesetzt, spielt in Deutschland aber eine untergeordnete Rolle. Die Emissionen für NRW liegen in der Größenordnung von wenigen Tausend Tonnen CO2-Äquivalenten.

    Kohlendioxid sowie ein Teil der N2O-Emissionen entstehen bei der Verbrennung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl, Erdgas) in den Sektoren Energie, Industrie, Verkehr und private Haushalte. Die energiewirtschaftlichen Kohlendioxid-Emissionen tragen in Nordrhein-Westfalen mit über 50% den größten Anteil zum anthropogen bedingten Treibhauseffekt bei. Methan stammt vorwiegend aus dem Steinkohlebergbau und der Landwirtschaft. Letztere verursacht auch den größten Teil der N2O-Emissionen. Die fluorierten und halogenierten Gase werden vorwiegend bei den vielfältigen Anwendungen dieser Stoffe, z.B. in Kühl- und Klimaanlagen, emittiert.

    Das Treibhauspotenzial dieser Gase ist unterschiedlich hoch und unterscheidet sich teilweise deutlich von der Klimawirksamkeit des bekanntesten Treibhausgases CO2. Zur besseren Vergleichbarkeit werden die Emissionsmengen der unterschiedlichen Gase deshalb in die Einheit „Tonnen CO2-Äquivalente“ umgerechnet und diejenigen Gase mit einer größeren Wirkung auf den Treibhauseffekt somit stärker gewichtet.

  • Ziele

    Ziele THG

    Im Dezember 2015 haben sich in Paris bei der UN-Klimakonferenz 197 Staaten auf ein globales Klimaschutzabkommen geeinigt, mit dem Ziel, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2°C, wenn möglich auf 1,5°C, über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Das Abkommen trat am 4. November 2016 in Kraft, nachdem es von 55 Staaten, die mindestens 55% der globalen Treibhausgase emittieren, ratifiziert wurde. Unter den Staaten, die das Abkommen ratifiziert haben, befinden sich die Europäische Union (EU) und die Bundesrepublik Deutschland (Ratifikation am 5. Oktober 2016). Auch die Landesregierung Nordrhein-Westfalens bekennt sich zu den Zielen des Klimaschutzabkommens von Paris.

    Auf nationaler Ebene hat sich die Bundesrepublik Deutschland auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen am 23. September 2019 in New York dazu bekannt, Treibhausgasneutralität bis 2050 anzustreben. Dieses Langfristziel ist im Bundes-Klimaschutzgesetz vom Dezember 2019 verankert. Als Zwischenziel wurde festgeschrieben, die Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 55% gegenüber dem Referenzjahr 1990 zu verringern. Die langfristige Klimaschutzstrategie der Bundesregierung beschreibt der Klimaschutzplan 2050. Das Klimaschutzprogramm 2030 skizziert einen Fahrplan für die kommenden zehn Jahre, zu dem Klimaschutzgesetz, Kohleausstiegsgesetz und Brennstoffemissionshandelsgesetz gehören.

    Im Jahr 2013 hat das Land Nordrhein-Westfalen ein eigenes Klimaschutzgesetz verabschiedet. Ziel des Klimaschutzgesetzes für NRW ist es eine Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 25% und bis 2050 um mindestens 80% (im Vergleich zu 1990) zu erreichen.  Das Klimaschutzgesetz NRW wird derzeit novelliert.

  • Trendanalyse

    Trend (lang) THG

    Der aktuelle Indikatorwert für 2018 liegt bei den Treibhausgasemissionen in Höhe von 261,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Abnahme der Emissionen um ca. 5% und eine Minderung von 29% gegenüber dem Bezugsjahr 1990. Für das Jahr 2019 ergeben sich vorläufige Emissionen in Höhe von 227,0 Mio. t CO2eq, eine Minderung um rund 34,2 Mio. t CO2eq bzw. 13% gegenüber 2018. Die Reduzierung gegenüber 1990 liegt damit bei ca. 38%, d.h. dass das durch das Klimaschutzgesetz NRW für 2020 vorgesehene Minderungsziel voraussichtlich bereits im Jahre 2017 überschritten wurde.

    Seit 1990 sind die Treibhausgasemissionen um ca. 107,0 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum ist das Bruttoinlandsprodukt deutlich gestiegen und die Bevölkerungszahl in etwa gleichgeblieben. Der beobachtete Emissionsrückgang um knapp 29% ist somit in erster Linie eine Folge des Rückgangs der Kohleverstromung, von Effizienzsteigerungen bei der Energienutzung sowie von strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft.

    Erhebliche Minderungen der Treibhausgasemissionen sind seit 1990 im Wesentlichen in den Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Flüchtige Emissionen aus Brennstoffen und Abfall zu verzeichnen. Im Sektor Energiewirtschaft sind die Emissionen im Jahr 2018 um ca. 8 Mio. t CO2eq gesunken, dies entspricht einer Minderung von 6% gegenüber dem Vorjahr, bzw. 18% gegenüber 1990. Die Ursache der fortschreitenden Emissionsminderung ist in einer verminderten Verstromung fossiler Brennstoffe, d.h. einer insgesamt geringeren Auslastung der Kraftwerke und der Stilllegung einzelner Kraftwerksblöcke zu suchen.

    Die Emissionen im Sektor Industrie bewegen sich nach erheblichen Minderungen durch den Strukturwandel sowie die Einführung effizienzsteigernder Technologien seit 2010 auf etwa gleichbleibendem Niveau. Auch im Jahr 2018 ist in Nordrhein-Westfalen nur eine leichte Emissionsminderung von 0,3% auf 54,5 Mio. t CO2eq zu beobachten. Seit dem Bezugsjahr 1990 sind in der Industrie Emissionsminderungen in Höhe von rund 43,1 Mio. t CO2eq, bzw. 42% zu verzeichnen.

    Obwohl der Fahrzeugbestand in NRW weiter ansteigt, sind die Emissionen im Verkehrssektor 2018 um ca. 3% gegenüber dem Vorjahr gesunken. Die Verkehrs-Emissionen liegen 2018 bei rund 32,7 Mio. t CO2eq und damit 3,6 Mio. t CO2eq unter dem Bezugswert von 1990. Gründe für die bilanzierten Emissionsminderungen sind in motortechnischen Verbesserungen und einer kontinuierlichen Verschärfung der zulässigen Abgaswerte zu suchen. Auch die Zahl der zugelassenen Hybrid- und Elektrofahrzeuge hat sich im Jahr 2018 deutlich gesteigert.

    Im Sektor 1A4-5 Haushalte und Kleinverbrauch sind die Emissionen im Jahr 2018 um rund 12% gegenüber dem Vorjahr gesunken und liegen bei 28,3 Mio. t CO2eq. Seit 1990 sind Emissionsminderungen von rund 9,0 Mio. t CO2eq bzw. 24% zu verzeichnen. Diese Minderungen sind auf einen gesunkenen Energieverbrauch, gestiegene Energiepreise, eine milde Witterung sowie Verbesserungen bei der Energieeffizienz zurückzuführen.
    Im Bereich Produktanwendung/Sonstige ist 2018 ein Emissionsanstieg um etwa 13% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Gründe hierfür sind im vermehrten Einbau von PKW- und Gebäudeklimaanlagen zu suchen. Seit 1990 sind die Emissionen in diesem Sektor um etwa 20% gestiegen.
    Die Emissionen der Sektoren Landwirtschaft und Abfall sind 2018 mit 7,6 Mio. t CO2eq, bzw. 0,5 Mio. t CO2eq weitestgehend konstant geblieben. Die Landwirtschaftsemissionen belaufen sich 2018 noch auf rund 85% der Emissionen des Bezugsjahres 1990. Die bilanzierten Emissionsminderungen sind auf einen Rückgang der Tierzahlen und eine verbesserte Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdünger zurückzuführen. Im Abfallbereich konnten die Emissionen durch die Erfassung und Reduzierung von Deponiegasen um 4,6 Mio. t CO2eq, bzw. rund 90% gegenüber 1990 reduziert werden.

  • Definition

    Definition

    Der Indikator stellt die jährlichen Treibhausgasemissionen in Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten dar.

  • Datenquellen

    Datenquellen, Berechnung und Einheit

    Angegeben werden die Treibhausgasemissionen in Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. Sie werden im Sinne einer Quellenbilanz vom LANUV NRW aus anlagenbezogenen Informationen (Industrie, Energiewirtschaft) und einer Vielzahl statistischer Daten (z.B. vom Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW)) ermittelt. Weitere Grundlage ist der Nationale Inventarbericht (NIR) des Umweltbundesamtes zum Deutschen Treibhausgasinventar im Rahmen der Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen.

    Bei der Umrechnung in die Einheit „Tonnen CO2-Äquivalente“ werden die Emissionsmengen von Gasen mit einer größeren Wirkung auf den Treibhauseffekt stärker gewichtet als andere. Methan wird beispielsweise mit dem Faktor 28 multipliziert, das extrem klimawirksame Gas N2O sogar mit dem Faktor 265. Die Kohlendioxidemissionen gehen mit dem Faktor 1 ein. Für die einzelnen fluorierten Stoffe gelten jeweils unterschiedliche Äquivalenzfaktoren.

Indikatoren zu Klima, Energie und Effizienz

Datentabelle Treibhausgase

Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente 1990 1995 2000 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Energiewirtschaft 159,4 164,8 159,2 174,4 179,4 185,6 176,2 157,6 167,2 166,6 168,9 170,3 160,9 150,9 150,4 138,3 130,1 102,2
Industrie 94,3 80,1 70,8 62,7 63,5 62,4 60,3 47,5 57 55,3 53,6 54,6 54,5 54,7 54,4 54,7 54,5 51,2
Verkehr 36,2 38,3 39,8 36,7 36,1 35,1 35 34,5 32,6 33 33,1 31,9 32,2 32,3 33,4 33,7 32,7 33,3
Haushalte / Kleinverbrauch 37,3 43,6 40,9 35,7 37,8 29,7 37,5 34,8 33,4 28,6 28,6 32 29 29,9 30,3 31,9 28,3 26,3
Fl. Emissionen aus Brennstoffen 23,4 17,6 14,1 7,1 6,4 6,2 6,1 4,5 4,3 4,1 4,8 5 4,1 4,5 3,8 4 3,3 1,6
Produktanwendungen/Sonstige 3,5 4,3 3,6 3,6 3,7 3,6 3,6 3,6 3,6 3,7 3,7 3,7 3,7 3,8 3,9 3,8 4,2 4,2
Landwirtschaft 8,7 8,1 7,2 7,2 7 7 7,3 7,3 7,2 7,4 7,4 7,6 7,7 7,7 7,8 7,7 7,6 7,6
Abfall 5,2 3,7 2,4 1,8 1,5 1,2 1,1 1 0,9 0,9 0,8 0,7 0,7 0,6 0,6 0,6 0,5 0,5